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Bau der Autobahn 1935-1939

Kurz vor dem 2. Weltkrieg wurde die größte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des nationalsozialistischen Staates mit dem Bau der Reichsautobahn durchgeführt. Begonnen wurde das gigantische Bauwerk mit dem Streckenabschnitt Frankfurt-Darmstadt. Später begannen Baufirmen fast gleichzeitig überall in Deutschland mit der Projektierung und dem Bau dieser Autostraßen. Niemand konnte bei der Errichtung der Autobahnen die heute bekannte Motorisierung voraussehen.

 

Der Bericht bezieht sich auf die Baumaßnahme, soweit sie unsere Gemeinde betrifft.

 

Zu Beginn des Streckenabschnittes Kirchheim-Alsfeld wurde an der Machtloser Straße im Bereich des heutigen Campingplatzes ein Barackenlager für die Arbeiter der Firma Rose eingerichtet. Um es vorwegzunehmen, die feierliche Eröffnung der Strecke Kirchheim-Alsfeld wurde am 5. Dezember 1938 durch den hessischen Gauleiter Weinrich vollzogen. Bis dahin war ein riesen Stück Arbeit zu leisten. Ein Augenzeuge des Autobahnbaues, Peter Lotz, berichtet: „Es war nicht so sehr die Technik und das Großgerät, die beim Autobahnbau zum Einsatz kamen, es war vielmehr die menschliche Arbeitskraft, die eindeutig im Vordergrund stand“. Wir räumten den Motorboden ab. Für die riesigen Erdbewegungen am Rimberg stand lediglich 1 Bagger zur Verfügung.

 

Die Aufnahme zeigt das Gerät – einen Dampfbagger der auf Schienen fuhr.

 

Peter Lotz war bei der Firma J.J. Lippert beschäftigt, die mit Erdarbeiten, Schächten, Kanalisationen und Stützmauern zu tun hatte. Später fuhr er eine dampflock. Gearbeitet wurde in Tag- und Nachtschichten zu je 12 Stunden. Man verdiente damals 78,00 Mark in der Woche. Vorher arbeitete Peter Lotz in der Landwirtschaft für einen Monatslohn von 30,00 Mark. Der Autobahnbau brachte es mit sich, dass eine größere Anzahl von Fuhrbetrieben vom Bahnhof Breitenbach Kies und Zement pausenlos zum Rimberg fuhr. Die Arbeitenden Menschen im Autobahnlager benötigten große Mengen Lebensmittel, die ebenfalls von den Breitenbacher Metzgereien und Bäckereien geliefert wurden.

Die Firma Erich Arndt mit ihren Lastwagen musste ihren Fuhrpark aufstocken, um die täglich eintreffenden Waggons zu entladen und zur Baustelle zu transportieren.

 

Sonntag für Sonntag waren an der Baustelle am Rimberg zahlreiche Schaulustige zu sehen, die das imposante Werk bestaunten. Die Einwohner der umliegenden Dörfer wollten sich an Ort und Stelle einen Überblick verschaffen und registrierten den Fortgang der Arbeiten mit Interesse. Wenn auch der Bau der Autobahnen zunächst rein militärischen Zwecken diente, so hat doch die Existenz dieser Autostraßen erst den Siegeszug des Autos ermöglicht.