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Gehau Geschichte

Die erste ErwähnuGehau Landschaftng von Gehau finden wir in einem Lehnsbrief aus dem Jahre 1298, in dem Heinrich von Romrod dem hessischen Landgrafen Heinrich I. die Burg Herzberg zu Lehen übergibt. Die Unsicherheit der politischen Verhältnisse und der Wunsch nach Beistand und Waffenhilfe lieferten den Grund für diese Maßnahme.

 

Im Jahre 1318 wird die Lehnschaft noch einmal vom Landgraf Ludwig von Hessen bestätigt. Sicher ist die Entstehung von Gehau und seine erste Besiedlung früher anzusetzen, etwa um die Zeitvon 1200-1250.

 

Von dieser Zeit an ist Gehau mit all den anderen Siedlungen den wechselnden Herrschaften auf dem Herzberg dienstbar gewesen.

 

Mit den Unterlagen aus der Kirchenchronik von Breitenbach und aus Urkunden des Staatsarchives Marburg können wir uns über die Entwicklung des Dorfes ein Bild machen. Ganz in der Nähe von Gehau lagen zwei Siedlungen, „Großen-Höhenscheidt“ und „Weniger-Höhenscheidt“. Offenbar sind sie durch kriegerische Handlungen oder durch Feuer zerstört worden. Aus welchem Grund ein Wiederaufbau unterblieben ist, können wir nicht mehr sagen. Aus den Feldern und Wiesen dieser beiden Siedlungen ist gegen Ende des 15. Jahrhunderts der Dörnbergsche Gutshof „Honsched“ gebildet worden.

 

Bis zum Jahre 1492 gingen die Bewohner der Orte rings um den Herzberg zum Gottesdienst nach Grebenau. Danach wird der Grebenauer Kaplan Konrad Scharf mit der Filialkirche in Breitenbach betraut.

 

Gehau hatte wie alle Orte im Gericht Breitenbach Abgaben für die Burgherren zu leisten. Die Haushalte hatten eine bestimmte Zahl Metzen Korn, soviel Rauchhühner zu liefern und eine bestimmte Zahl von Arbeitstagen in Huhnstadt und in der Ottersbach zu erfüllen. Außerdem war festgelegt, wieviel Spanndienste mit dem Fuhrwerk zu leisten waren. Alles zusammen war eine erdrückende Last von Abgaben und Frondiensten. Im Dörnbergschen „Zinsregister“ istnotarisch genau festgelegt, was jeder Haushalt (Hausgesessener) zu erbringen hatte. Im Jahr 1523 wird im Gebiet des Gerichtes Breitenbach die Reformation durch Hermann von Dörnberg eingeführt. Die Einwohner lebten im Schutz der Burg und ihrer Herrschaft und hatten einige Jahrzehnte in Ruhe und Frieden leben können – bis sie in den Strudel des 30jährigen Krieges gezogen wurden.

 

Gehau hatte wie alle Dörfer des Gerichtes Breitenbach im 30jährigenKrieg Zeiten größter Bedrängnisse zu durchleiden.

 

Im Jahre 1618 – also zu Beginn des 30 jährigen Krieges – werden in Gehau 32 Haushaltungen gezählt, 1648 waren es nur noch ein Drittel. Dieser Überrest lebte in unbeschreiblicher Armut. Nurlangsam konnte sich das Dorf von den Folgen des Krieges erholen.

 

Im Hessischen Staatsarchiv in Marburg fand man in einer Hatteröder Kirchenrechnung aus dem Jahre 1712 den Hinweis, dass Gels zum Bau einer Kirche in Gehau beigesteuert wurde. Es lässt sich also mit Sicherheit sagen, dass die Kapelle in Gehau im Jahre 1712 erbaut wurde. Diese Kapelle wird später in einer Ortserhebung als Bethaus bezeichnet, welche inmitten des Totenhofs liegt. Es haben sicher keine regelmäßigen Gottesdienste stattgefunden. Ein erhaltenes Ortskataster von Gehau aus dem Jahre 1852 gibt unsgenaue Auskunft über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Dorfes.

 

Im Ort sind bereits eine Kalkbrennerei und eine Schnapsbrennerei vorhanden (die Zählung erfasste auch das Gut Huhnstadt). Der Bürgermeister gibt in der Zählung an, dass das Dorf eine Mühle mit nur einem Mahlgang habe (Burgmühle). Die andere Mühle von Gehau, die Klausemühle, von deren Existenz wir durch eine Ortsbeschreibung aus dem Jahre 1705 erfahren, wird später nichtmehr erwähnt. Der Klußeborn kennzeichnet die Stelle, wo sie einstgestanden hat.

 

Auffallend an der Ortsbeschreibung von 1852 ist der Reichtum an Vieh:

 

  • 10 Pferde
  • 36 Ochsen
  • 72 Kühe und Rinder
  • 470 Schafe
  • 14 Ziegen
  • 32 Schweine und
  • 13 Bienenvölker

 

Die Unterzeichner der Zählung melden noch dazu Gänse, Enten und Hühner in nicht geringer Zahl. Flachs wurde von jedem Landwirtangebaut und jeder hatte Äpfel, Birnen und Zwetschenbäume nicht nur im eigenen Garten sondern auch in der Feldgemarkung entlang der Wege und an Feldrainen. Ein blühendes Dorf wird hier beschrieben.

 

Mit Machtlos, Oberjossa und Breitenbach wird eine Feuerspritzegemeinsam genutzt, wie das allgemein üblich war.

 

Interessant sind die detaillierten Angaben über Berufe und Handwerk des Dorfes.

 

Gehau hatte 1852:

 

  • 1 Schmied
  • 1 Wagner
  • 2 Maurer
  • 1 Weißbinder
  • 1 Köhler
  • 1 Gastwirt und
  • 10 Leinenweber

 

Aus gutem Leinen waren die Betttücher, Strohsäcke, die Getreidesäcke sowie die Hemden. Arbeit und Brot gab es im nahegelegenen Huhnstadt. Die Jahreseinnahme der Gemeinde betrug zwar nur 330 Taler, aber die Mehrzahl der Haushaltungen wird vom Bürgermeister als insgesamt wohlhabend bezeichnet. Der Bürgermeister und die Schöffen mussten es ja schließlich wissen.

 

Noch vor Beginn des neuen Jahrhunderts ging eine Epoche zu Ende.Das Getreide wurde jetzt nicht mehr mit den Dreschflegeln ausgedroschen. Gehau war eines der ersten Dörfer in der ganzen Gegend, das im Jahr 1891 eine Dreschmaschine kaufte.

 

Ein leistungsstarker Dreschwagen mit Dampfkessel wurde von Scheune zu Scheune gefahren und läutete ein neues Zeitalter ein. Die Dreschgenossenschaft berechnete ihren Mitgliedern pro Stunde3,- Mark.

 

Im Jahre 1912 konnte in Gehau die Flurbereinigung durchgeführt werden. Eine Vielzahl kleinerer Parzellen konnte zu größeren Einheiten zusammengefasst werden.

 

Eine weitere technische Neuerung wurde sehnlichst erwartet. Die Elektrizität war bis dahin noch nicht eingezogen. Abends und nachtsmussten alle notwenigen Arbeiten noch mit der Sturmlaterne ausgeführt werden. Erst im Jahre 1922 wurden Lichtleitungen verlegt und versorgten die Häuser des Dorfes mit elektrischer Energie.

 

Die Brunnen aber sollten noch eine Weile plätschern – erst im Jahre 1951 wurde die Wasserleitung verlegt. Für die Feuerwehr gab es im Jahr 1953 endlich ein eigenes Gerätehaus, dass vorwiegend im Hand- und Spanndienst von den Ortsbewohnern errichtet wurde.

 

Arbeitsmöglichkeiten für die männlichen Bewohner gab es in Breitenbach, Alsfeld und Hersfeld. Einige Männer arbeiteten als Holzfäller in der Dörnbergschen Forstverwaltung.

 

Im Jahr 1972 wird die Eingliederung zur Großgemeinde Breitenbachvollzogen. Zu dieser Zeit besaß Gehau bereits eine eigene Friedhofskapelle – dank des rührigen Einsatzes von Bergermeister Kurt Röther. In die Ehe mit der Großgemeinde brachte Gehau einbeträchtliches Guthaben ein.

 

Im Jahre 1992 entstand durch den Umbau ein hübsches Dorfgemeinschaftshaus. Die leerstehende Schule war die beste Gelegenheit, solch ein Haus zu schaffen. Jetzt steht es allen Vereinen und Bürgern offen und erfreut sich großer Beliebtheit.

 

alte Schule alte Schule Außenansicht

 


Gehau heute

 

Ortsschild

Die technische Infrastruktur wurde durch Installation neuer Kanäle und Wasserleitungen verbessert. Neue Straßen und Gehwege prägen das Erscheinungsbild dieses Ortes. Die Sanierung der gesamten Ortsdurchfahrt wird im Mai 2011 abgeschlossen sein.


Dann präsentiert sich Gehau als Bilderbuchdorf.

Im Neubaugebiet zur Pfaffengrube stehen nur noch wenige freie Bauplätze zur Verfügung.

 

Die Gehauer zeigen gern Eigeninitiative, wenn es um die Verschönerung ihres Ortes oder um die Verbesserung der Lebensqualität geht. Die Eltern haben zum Beispiel den Kinderspielplatz rundum erneuert, die Männer der Feuerwehr bauen ihr Gerätehaus selbst neu. Das Land Hessen steuert 81.000 Euro bei. Die Gemeinde hat 50.000 Euro bereitgestellt. In verschiedenen Straßen wurden die Gehweganlagen in Eigeninitiative (Hand- und Spanndienste) komplett erneuert.


Der Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft ist gut, man trifft sich in den Vereinen und feiert gemeinsam Feste. Schützenverein und Feuerwehr gestalten das Gemeinschaftsleben.

Das wöchentlich einmal stattfindende große Gartenfest und vor allem der „Vatertag“ im Biergarten der Familie Gerst, erfreuen sich aller größter Beliebtheit in der Region.


Die Gäste reisen im Umkreis von 100 Kilometern an, um die kulinarischen Köstlichkeiten im
schönsten Biergarten weit und breit zu genießen.

Im Winter wird wöchentlich einmal auf dem hiesigen Saal ein zünftiger „Schlachtekohl“ zu Riesenportionen gereicht.

 

Hof Huhnstadt

 

Der ehemalige Gutshof „Huhnstadt“ wurde 1928 der Gemeinde Gehau eingegliedert. Durch den Gutskomplex führt die B 62 im Zug der alten Landstraße durch die „Kurzen Hessen“.

 

Der ersten urkundlichen Erwähnung aus dem Jahre 1372 wurde entnommen, dass Hof Huhnstadt ursprünglich eine zweigeteilte Dorfsiedlung war: Groß-Hohenscheit und Wenigen - Hohenscheit unter der Straße. Im Jahre 1492 lautet die Bezeichnung – „Hoenscheit“ unter dem Hertzberg (uf der Straße). Später lesen wir Honstat und ab 1780 ganz allgemein „Hohnstädt“. 

 

Groß-Hohescheit bestand 1360 aus einem Haus und einem Gut. Wenigen-Hohenscheit bestand nur aus einem kleinen landwirtschaftlichen Anwesen. 

 

Auf der Mercator-Karte von 1592 wird Hohnstet erwähnt. Das Gut umfasste 1895 ca. 116 ha – davon waren 56 ha Ackerland – 20 ha Wiesen, 18 ha Hutfläche und 20 ha Ödland.

 

Pfarrer E. Paulus berichtet 1927 in seinem Heimatblatt „Rings um den Herzberg“, dass der Ritter „Hans v. Storndorf“ mit Reitern das Dörnberg´sche Hofgut Hohenscheit im Jahre 1498 überfiel, zerstörte und verbrannte. Hans von Dörnberg und Hans von Storndorf waren persönliche Feinde.

 

Die verschiedenen Besitzern gehörenden Grundstücke wurden von der Familie von Dörnberg erworben – so entstand der „Hof Huhnstadt“.